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Realisierungswettbewerb - Neubau Am Mittelhafen in Münster

Städtebau und Typologie

Die Stadt erfährt im Hafengebiet einen tiefgreifenden strukturellen Wandel, der unmittelbar im städtebaulichen und architektonischen Erscheinungsbild zum Ausdruck kommt. Einige umgenutzte historische Gebäude und Speicher, sowie die Rudimente von Gleis-, Kran- und Siloanlagen verbreiten noch etwas von der originären Atmosphäre am Hafen und seiner ursprünglichen Zweckbestimmung. Diese authentische Atmosphäre, die es zu erhalten und weiter zu entwickeln gilt, bildet den Anknüpfungspunkt für das neu entstehende Bürogebäude.

Wir schlagen einen großen „Speicher“ vor, bestehend aus zwei Gebäudeteilen, die zu einer L- Form zusammengefügt sind. Ein sechsgeschossiger Flügel steht parallel zum Fußweg und zur Nachbarbebauung und greift deren Gebäudetiefe auf. Ein siebengeschossiger Gebäudeteil steht straßenbegleitend zum Hafenweg und bildet eine städtischer wirkende Komponente des Ensembles, auf die man vom Hafengrenzweg zufährt. Der Vorplatz auf Straßenniveau bildet die Adresse des Gebäudes und bildet den Auftakt zum Eingang unter einer Arkade. Ein Teil des Vorplatzes dient dem Abstellen der Fahrräder, mit leichten, segelartigen Dächern vor Regen geschützt. Im Westen führt eine kurze Rampe ins Parkdeck.

Das Ensemble steht Richtung Hafen auf einem Sockel, der sich aus den hafentypischen Laderampen herleitet; das L umschließt nach Nordwesten einen platzartigen Außenraum, der zum Hafen orientiert und durch sein höheres Niveau eindeutig dem Gebäude zugeordnet ist.

Typologisch ist die Bezugnahme des Ensembles auf die Speichergebäude durch die Ausbildung klar umrissener massiver Baukörper aus Ziegelstein, den Sockel und die strenge Fensterreihung unübersehbar.

 

Architektur und Raumprogramm

Die Arkaden signalisieren eindeutig den Eingang ins Gebäude und führen in das gemeinsame Foyer, das mit einer großzügigen Raumhöhe von 4,25 ausgestattet ist und optional einen gemeinsamen Empfangsbereich aufnehmen kann. Von hier aus gelangt man jeweils in die Empfangssituation der beiden Unternehmen. Der zentrale Erschließungskern mit Treppe und zwei Aufzügen, der allen zugänglich ist, kann optional um einen weiteren Aufzug innerhalb der Büroeinheit Diapharm ergänzt werden (so in den Grundrissen dargestellt). Die Haupttreppe erhält Licht von oben; sie entspricht mit vorgelagertem Zwischenraum (Schleuse) und Druckbelüftung einem Sicherheitstreppenraum. Alle Geschosse sind als Skelettkonstruktion frei und flexibel für die Büronutzungen einteilbar. Der Konstruktion liegt ein Raster von 1,35m zugrunde, das neben herkömmlichen Zellenbüros in Form von Einzel- oder Zweierbüros (3 Achsen) unterschiedliche weitere Größen, auch Kombi- oder Großraumbüros ermöglicht.

Wir haben die Mittelzone mit einer flexibel nutzbaren Breite von 5,0m ausgestattet: hier werden alle Nebenfunktionen (WC, Teeküche, Kopierer etc.) sowie jeweils eine weitere, intern nutzbare Treppe untergebracht. Diese flexible, frei nutzbare Zone ist nach unserer Überzeugung unverzichtbar, um ein der hochwertigen Büronutzung entsprechendes, großzügiges Erscheinungsbild realisieren zu können. Hier wird die äußere Erscheinung des Hauses im Inneren fortgeführt: im Prinzip handelt es sich um Loftetagen mit nur wenigen festliegenden Parametern. In diesem Sinne sind die von uns dargestellten Grundrisse als Beispiele für Nutzungsszenarien zu verstehen, welche die beiden Hauptmieter noch entscheidend mitbestimmen können und sollen. Auch im Sinne einer möglichen zukünftigen Nutzung durch andere Mieter bildet diese Grundrissdisposition den notwendigen Freiraum für individuelle Anpassungen. Im obersten Geschoss soll auf der die hafenseitigen Dachfläche eine von allen nutzbare Dachterrasse entstehen, deren eigene Qualität sich aus der hafennahen Lage mit Blick auf die Stadt und die Umgebung ergibt.

Alle erforderlichen Parkplätze sind in einem Parkdeck untergebracht, das durch seine Lage im Sockel nur partiell als Untergeschoss ausgebildet ist und so den minimalen Eingriff in das Gelände bedeutet. Hierdurch kann das Parkdeck auch natürlich be- und entlüftet werden.

 

Konstruktion und Materialien

Die Skelettkonstruktion wird aus Stahlbeton hergestellt, das gesamte Untergeschoss sowie die Dachdecken aus WU- Beton. Die Decken der Büroetagen werden zur Temperierung (Heizen und Kühlen) herangezogen und entsprechend ausgerüstet (Betonkernaktivierung). In ihnen erfolgt auch die Rohrführung für Zu- und Abluft. Als Energiequelle soll Geothermie zum Heizen bzw. (Grund-)Wasser zum Kühlen dienen; die Wärmepumpe ist solarunterstützt.

Der Fassadenaufbau ist mehrschalig (tragende Innenwand aus KS bzw. Stahlbeton, mineralische Wärmedämmung, Vormauerschale aus Ziegeln bzw. in Teilbereichen des EG aus rot eingefärbtem Beton). Der Sinn dieser Gesamtkonzeption ist, mit natürlichen, ressourcenschonenden Materialien und mit minimalem Einsatz von Technik bzw. regenerierbarer Energie ein stabiles, gesundes, komfortables Klima zu schaffen. Sie ist daher ein Beitrag zu einer nachhaltigen, energie- und wartungsarmen Bauweise. Fenster und Türen sind aus Metall vorgesehen und erhalten einen außenliegenden textilen Sonnenschutz.

 

Außenanlagen

Der straßenseitige Platz wird anknüpfend an bestehende Bodenmaterialien (Großpflaster, Natursteinplatten) weiterentwickelt. Dabei werden die neuen Wegeführungen als Flächen in Naturstein ausgeführt. Die hafenseitige Hoffläche erhält einen Natursteinbelag. Der klar definierte Baumhain aus Kirch- oder Magnolienbäumen steht in einem Pflanzbecken, dessen Rand als Sitzbank ausgebildet ist.

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