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Motel One, Lübeck

Städtebaulicher Kontext
Wir haben das neue Gebäude dicht am historischen Stadtgrundriss, wie er vor den Kriegszerstörungen von 1943 vorzufinden war, entwickelt:
das Grundstück für den Neubau, nach dem in den 50er Jahren erbauten Stadthaus auch ‚Stadthausgrundstück‘ genannt,  war bis zur den Kriegszerstörungen typischerweise in mehrere Einheiten parzelliert. Die kleinmaßstäblichen Gebäude zu den Straßen Markttwiete, Twiete und Weiter Krambuden, die gegen Ende des 19 Jahrhunderts stetigen Veränderungen unterlagen, zeigten sich in Ihrer Erscheinung deutlich als gewachsenes, heterogenes und gleichzeitig für Lübeck typisches Ensemble mit steilen Satteldächern.
Eine gewisse Ausnahme bildete das großmaßstäblichere, im 19 Jahrhundert erbaute traufständige Gebäude zur Straße Schüsselbuden.
Insgesamt war das Ensemble  geprägt durch viele unterschiedliche  Nutzungen wie Gewerbe, Wohnen, Speicher und Hotelbetrieb.
Durch die verkürzte südliche Flucht bzw. den Rücksprung des Gebäudes zum Schüsselbuden entstand an der Ecke Markttwiete eine Aufweitung, die einen angemessenen Auftakt zum Markt und eine Pufferzone zur Straße herstellte und das Ensemble im Kontext verzahnte.

Das Motiv des Rücksprungs und die überkommene Typologie von Häusern mit steil geneigtem und gereihtem Dach ist als identitätsstiftender städtebaulicher und architektonischer Baustein an dieser Stelle unverzichtbar.
In Anlehnung an die historische, aber heterogenere Bebauung, haben wir das Gebäude in drei, zur Markttwiete giebelständige Einheiten geteilt. Das Motiv greift die für Lübeck typische giebelständige Parzellenbebauung mit weit in die Grundstückstiefe reichenden Baukörpern und langen, parallel gestellten Firstlinien auf. Die Giebelständigkeit zur Markttwiete erscheint hier als Pendant zur Ausrichtung der Firstlinien des Rathauses. Ebenso wichtig erschien uns die bewusste Setzung gegenüber der verschlossenen, großmaßstäblichen Giebelseite des P&C Gebäudes. Die Ausbildung einer langen traufständigen Fassade zum Schüsselbuden entspricht dem historischen Vorbild.

Das mittige ‚Gebäude‘ des neuen Komplexes ist an der Stelle des Innenhofes unterbrochen. Die Dachlandschaft wird geprägt von den steilen Satteldächern, die von einem den Hof umschließenden Baukörper durchdrungen werden. Dieser ist aus der Straßenperspektive nicht sichtbar.


Architektur und Fassaden
Ortstypisch zeigt sich das neue Gebäudeensemble als geschlämmter Klinkerbau mit ausgeprägten Giebelseiten.
Die Entscheidung, das Gesamtvolumen in drei Häuser zu unterteilen führte, vor dem Hintergrund der Hotelnutzung im Inneren mit reinen Zimmergeschossen, dazu, die Fassaden, insbesondere die Giebelseiten, nur sehr zurückhaltend zu differenzieren.
Fenstergrößen, Proportionen und Achsmaße wiederholen sich in Gruppen über alle Gebäudeteile.
Die hohe, großzügig geöffnete Erdgeschosszone zur Markttwiete ist prädestiniert dafür, das Ensemble in den Kontext einzubinden. Im Bereich des mittleren und östlichen Giebels bilden wir eine Kolonnade aus, die zum einen als Durchwegung , zum anderen aber auch als geschützte Freizone vor dem erdgeschossigen Lounge- und Frühstücksbereich genutzt werden kann. Auch stellt sie ein Pendant und eine Fortführung der Rathausarkade dar.
Im Bereich des westlichen Giebels, der nach Norden verspringt,  wird die Arkade nicht fortgeführt. – hier liegt der tief eingeschnittene Eingang zum Hotel. Das Motiv des großzügig geöffneten Erdgeschosses, wird durch die schlanken Pfosten und großen Verglasungen auch hier fortgesetzt und ein Stück über Eck zum Schüsselbuden weiter geführt. Im rückwärtigen Bereich, dort wo das zimmerbelegte Zwischengeschoss das hohe Erdgeschoss ablöst und erdgeschossig vornehmlich Nebenräume angeordnet sind, wird der Sockel durch erhabene Klinkerschichten betont. Zum Weiten Krambuden hin schlagen wir vor, die lange traufständige Fassade durch einen erkerartigen Vorsprung in drei Abschnitte zu gliedern. Dies greift interpretierend zum einen den historischen Versatz der Parzellen auf, und nimmt dabei Bezug auf den vorspringenden Giebel des Bestands am Weiten Krambuden.

Grundriss
Die Gliederung der Kubatur in drei Einzelvolumen mit dem rückspringenden westlichen Giebel zur Markttwiete hat geringfügige Änderungen des Grundrisses bedingt, der nun die dreiteilige Gebäudestruktur klar wiedergibt. Die Grundrissdisposition im Erdgeschoss haben wir im Bereich der Foyer- bzw. Loungefläche, sowie  im nordwestlichen Bereich geringfügig angepasst. Der Aufenthaltsraum für die Hotelmitarbeiter wird an die westliche Fassade verlagert, dies vor allem mit dem Ziel, mehr Fensteröffnungen zur Straße hin auszubilden.
In den Obergeschossen ergeben sich geringfügige Änderungen der Zimmeranordnung. Im Dachgeschoss können wir neben der Haustechnik 11 Zimmer unterbringen. Insgesamt sind damit inklusive Dachgeschoss 119 Zimmer realisierbar.

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