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Hartmannsstift Bremen Vegesack - 1. Preis

Städtebaulich prägende Bedingungen für das Grundstück des Hartmannsstiftes sind
- Im Norden, entlang der G.-Rohlfs-Straße: weitgehend geschlossene Bauweise, städtischer Charakter, raumbildender Städtebau. In diesem Zusammenhang hat die historische Keimzelle des Hartmannsstiftes als freistehender Soltitärbau mit Garten eine Ausnahme gebildet. Die verschiedenen An- und Umbauten des Hartmannsstiftes lassen diesen Solitärcharakter heute nicht mehr erkennen; die heutige Situation des Gebäudeensembles ist vor allem funktional geprägt, städtebaulich uneindeutig und heterogen.
- Im Osten und Süden: offene Bauweise, Gärten
- Im Westen: sehr dichter Baumbestand des zugeschütteten Grabens bzw. des ehemaligen Stifts- Parks, der das Grundstück städtebaulich stark abschirmt, bzw. quasi von seiner Umgebung trennt.

Wir haben nach der Untersuchung der grundsätzlichen Möglichkeiten der Bebaubarkeit des Grundstücks in verschiedenen Varianten in der ersten Phase des Gutachtens die Idee des „Stiftungshofes“ in der zweiten Phase weiter untersucht und ausgearbeitet.
Im Zentrum dieses Stiftungshofes steht das freigestellte und wiederhergestellte ursprüngliche Hartmannsstift. Anknüpfend an die Typologie mittelalterlicher Stiftungshöfe, wie sie vor allem in den Hansestädten häufig vorkamen, übertragen wir deren Konzept gemeinschaftlichen Wohnens auf unsere Zeit:
„Mehrgenerationenwohnen“ in verschiedenen Wohnformen:
- Seniorenwohnungen bzw. betreutes Wohnen in den Gebäuden an der G.- Rohlfs-Straße.
- Im südlichen Areal: barrierefrei erschlossene Geschosswohnungen verschiedener Größe (2-/ 3-/ 4-Zimmer- Wohnungen) und Maisonettes (Reihenhäuser).

Die städtebauliche Kontur im Norden um das Hartmannsstift ist so entwickelt worden, dass durch das nordöstliche Gebäude die geschlossene Bauweise der G.-Rohlfs-Straße zu Ende gebracht wird. Zusammen mit dem Gebäude im Nordwesten als Pendant wird eine räumliche Fassung des Hartmannsstiftes erreicht und gleichzeitig ein definierter Abschluss der Bebauung zur Kreuzung hin.
Auch die Stellung der neuen Gebäude im Süden ist raumbildend: vier Gebäuderiegel gruppieren sich um einen schmalen, gemeinsamen Hof, der sich nach Süden aufweitet und vom dichten Baumbestand abgeschlossen wird. Die Unterbrechung der Zeilen lässt die Wirkung der der wertvollen, geschützten Bäume des Parkes in den halböffentlichen Raum des Hofes nach Osten/ Südosten eindringen und prägt damit einen „Stiftungshof im Park“. Das Hartmannstift steht im Zentrum der Gesamtanlage und ist deren Identifikationsgeber.

Die Erschließung erfolgt dezentral und nutzt die bereits heute vorhandenen Zufahrten:
- für den nördlichen Teil von der G.-Rohlfs-Straße: Zugang für Fußgänger und Radfahrer in der Mitte der Anlage, für PKW nur als „Vorfahrt“ bzw. Besucher. Die Zufahrt zu Stellplätzen bzw. der nördlichen Tiefgarage im Nordwesten (wie Bestand).
- für den südlichen Teil: Zufahrt wie Bestand: über sie wird sowohl der Innenhof (für PKW nur ausnahmsweise, z.B. für Anlieferung), als auch die Tiefgarage und Stellplätze erschlossen.
Der ruhende Verkehr muss wegen des Mangels an erdgeschossigen Flächen, bzw. des dichten Baumbestandes in Teilen auch in Tiefgaragen (nördliche: 22 Stellpl., südliche: 27 Stellpl.) untergebracht werden. Im Süden wird die Fläche des ehem. Leichenauses für 5 Stellplätze genutzt. Um weitere, qualifizierte Aussagen zu den Möglichkeiten des „Parkens unter Bäumen“ zu machen, bedarf es unserer Ansicht nach genauerer Untersuchungen des Baumbestandes mit dem Ziel, die Tiefgaragen auf den Mindestbedarf zu reduzieren. Um ohne Eingriffe in den Baumbestand auszukommen, haben wir die Erschließung der südlichen Tiefgarage über einen PKW-Lift gezeichnet. Auch hier können durch genauere Kenntnis des Baumbestandes alternative Lösungen über eine Rampe entwickelt werden.

Der Entwurf lässt eine Teilung des Grundstücks in zwei Abschnitte (nördlich/ südlich) zu, bei denen allerdings auf die Realisierung der durchgehenden Erschließung für Fußgänger nicht verzichtet werden sollte.

Die 22 Seniorenwohnungen in den beiden Gebäuderiegeln im Norden sind als selbstständige, kleine Wohnungen geplant, die sich alle mit ihren Wohn- und Schlafräumen, sowie ihren Terrassen bzw. Balkonen zum Hartmannsstift orientieren. Das Hartmannsstift selber ist für gemeinschaftliche Nutzungen vorgesehen. Im EG der Neubauten können straßenseitig Verwaltung (nordöstl. Haus) oder Praxen (nordwestl. Haus) untergebracht werden.

Im südlichen Areal beherbergen die beiden Neubauten zum Park hin insgesamt 17 Wohnungen zwischen 56m² (2 Zimmer) und 108m² (4 Zimmer) Größe. Sie sind zum „Durchwohnen“ konzipiert, also mit Wohnbereichen, die sich komplett durchstecken und der Wohnung sowohl die Qualität des Parks, als auch des nach Süden orientierten gemeinschaftlichen Hofes zu Gute kommen lassen. Das gilt auch für die Reihenhäuser, denen nach Südosten eigene Gärten zugeordnet werden. Zusätzlich hierzu gibt es Dachterrassen/ bzw.- Loggien. Wir haben zwei verschiedene Grundrisstypen (mit querliegenden und längsliegenden Treppen) vorgeschlagen, die verschiedenen Wohnbedürfnissen Rechnung tragen und sich in der Raumzuordnung individuell gestalten lassen.
Alle neuen Gebäude sind dreigeschossig und haben ein flach geneigtes Dach. Das Zusammenfassen auch der Reihenhäuser unter einem gemeinsamen Dach unterstreicht den Charakter des „gemeinschaftlichen Wohnens“. Es erlaubt auch ein Anpassen des Konzeptes auf unterschiedliche Schwerpunkte von Investoren bzw. auf die Vermarktungssituation: so können auch auf der Parkseite Reihenhäuser entstehen oder auf der östlichen Seite Wohnungen. In diesem Sinne zeigen alle vorgeschlagenen Grundrisse die grundsätzliche Möglichkeiten der Gebäudetypologien auf, die im weiteren Verfahren entsprechend weiterentwickelt bzw. angepasst werden können.
Falls der Erhalt des Hartmannstiftes nicht realisiert werden kann, soll an seiner Stelle ein Neubau, parallel und mit Abstand zur G.- Rohlfs-Straße errichtet werden. Die Gebäudestellung der übrigen Neubauten bleibt dabei erhalten, die innere Organisation kann verändert werden, auch indem Verbindungen zwischen den Gebäuden entstehen können.

Außenanlagen

Die Gestaltung der Außenanlagen unterstützt zum einen die städtebauliche Grundidee, zum anderen spielte der Erhalt des großartigen Baumbestandes in allen Bereichen des Grundstücks eine wesentliche Rolle.
Im Norden steht das Hartmannstift in einer ruhigen Gartenanlage im Zentrum: Es wird eingefasst von niedrigen grünen Kissen und klar auf die Gebäudekontur bezogenen Baumstellungen. Die Bäume entlang der G.-Rohlfs Straße werden alle erhalten; hier ist in Anlehnung an das historische Bild des Zaunes auf einem Sockel eine niedrige Mauer mit einer flachen Hecke entlang der Straße geplant.
Im südlichen Areal sind individuelle Freibereiche den erdgeschossigen Wohnungen direkt zugeordnet. Zum halböffentlichen Hof hin haben die Reihenhäuser einen kleinen Vorbereich, der zur Belebung dieser Zone beitragen wird. Um den zentralen Baum in der aufgeweiteten Hoffläche haben wir eine runde Bank geplant: sie ist Ausdruck des „Agora“- Gedankens, der als gestalterische Leitidee für den „Stiftungshof im Park“ dient.

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